CD des Monats August 2026: Crippled Black Phoenix – Sceaduhelm

Die tiefsten Wurzeln von Crippled Black Phoenix liegen bei Pink Floyd. Während man bei den früheren Scheiben zu sagen pflegte, dass das wie Pink Floyd klingt, sagt man heute, keine Ahnung, wer das ist. Das hat sich vom Floyd-Klon zu einer gewissen Eigenständigkeit entwickelt. Und rockiger als das Original sind sie geworden, man höre nur Ravenettes, das ich in diesem Monat auch in den Charts platziert habe. Doom und Psychedelic glitzern durch die Songs.

12 Songs mit 66 Minuten Spielzeit hauen uns die Engländer seit April 2026 um die Ohren. Und kein Song ist wie der andere, was ein großer Unterschied zu anderen Combos ist, bei denen man schon nach dem ersten Song weiß, wie es weitergeht. Irgendwie erinnert das an die Smashing Pumpkins, was man ja durchaus als Lob verstehen kann. Durch die ständig wechselnden Sänger sind die Songs auch abwechslungsreicher. No Epitaph startet als Pink Floyd-Mucke, kommt dann aber mit Dire Straits-Gesang daher. Aber auch die ruhigeren Titel wie Colder And Colder und Tired To The Bone wissen zu gefallen. Das Progherz wird mit genügend, fast zuviel, Sprechorgien befriedigt.

Sceaduhelm übersetze ich mit Aluhut, unter dem neuerdings viele Menschen leben. Entsprechend sind die Texte. Die düstere Grundstimmung wird nur selten durchbrochen. Bei Vampire Grave lassen die Sisters Of Mercy grüßen.

Fazit: Ein Album wie kein anderes. Nicht unbedingt für Metalheads. Nicht unbedingt für Traditionalisten. Und schon gar nicht für Poppers. Das Album steht aber unbedingt zur Wahl, wenn man sich mit einer 45 iger den Kopf wegblasen möchte. Ein Album für die Ewigkeit. 16 von 20 Punkten.

Und was gab es noch?

Tesla – Homage: Von Modern Day Cowboy so weit entfernt wie Heino von Ramstein. Coverversionen, die allesamt schlechter sind als das Original. Hoher Einschlaffaktor dank der ruhig gehaltenen Songs. 11 Punkte.

DEEP PURPLE – SPLAT!: Die einheimische Presse ist sich einig, dass ein Meisterwerk der Superlative vorliegt. Die haben wohl eine andere Scheibe als ich gehört. Die Machine Head und die In Rock sind Meisterwerke der Superlative und davon ist dieser Mainstream-Hardrock meilenweit entfernt. Gillans Gesang ist oder kann gar nicht mehr wie vor 55 Jahren. Die Hammond steht viel zu sehr im Vordergrund, wie schon auf Aireys letztem Solowerk. Ritchie fehlt mir auf allen Songs. 12 Punkte.

Moonspell – Far From God: Gothic mit gemäßigtem Metal. Nette Melodien. Fast! gefallen mir die reduzierten Growls. 13 Punkte.

DOMINUM – Night Is Calling: Irgendwo zwischen Powerwolf und Sabaton mit (zu) viel Synths. Ist die Bezeichnung Popmetal zu hart? 12 Punkte.

Masterpan – Metalmorphosis: Masterplan-Fans können bedenkenlos zugreifen. Bei mir hat der Powermetal der Band nie richtig gezündet. Das Problem ist aus meiner Sicht -wie so oft- das Songwriting. 13 Punkte.

Saki – Pluvia: Instrumental Gitarrensound im Satriani -Style. 12 Punkte

Kolm – Yügen: Für Siebziger Progger eine Offenbarung. Dieser Post-Progrock kommt eher selten mit schweren Gitarren daher. Dafür sind diese Akzente umso schöner. Man entschwebt den Problemen dieser Welt und entdeckt bei jedem neuen Hören raffinierte Ideen dieser genialen Musiker. Pepper kann die Punktzahl hochschrauben, bei mir muss sich die Scheibe erst noch im Dauertest bewähren. 15 fette Punkte.

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