CD des Monats Juni 2026: Geoff Tate – Operation: Mindcrime III:
Geoff Tate – Operation: Mindcrime III:
Nur wo Geoff Tate drauf steht, kann auch Geoff Tate drin sein. Und auch wenn seine Stimme in den letzten 40 Jahren etwas verloren hat, so ist das immer noch unverkennbar Geoff Tate. Und das Werk hier klingt mehr nach Queensryche als jedes Queensryche-Werk in den letzten 30 Jahren mitsamt dem missratenen Mindcrime II-Album. Aber macht sich Geoff mit der Neuauflage einen Gefallen? Ich meine ja! Die Magie aus alten Tagen ist wieder da. Natürlich nicht in Anbetracht des absoluten Klassikers, den die Operation Mindcrime nun mal ist. Und man darf auch nicht vergessen, dass Chris de Garmo als Mastermind fehlt.
Aber die Scheibe hat Ecken und Kanten. Und besonders gefällt mir die Selbsterkenntnis von Geoff in dem Titel A Monster Like Me. Lol. You Know My Fucking Name geht als Opener gleich richtig los und live werden seine Fans entgegenrufen: yes Geoff, we know your fucking name. The Answer macht dort weiter, wo Fucking Name aufhört. Wunderbare Gesangslinien. Und man nimmt ihm auch ab, dass das The Answer ist. Hits wie Eyes Of A Stranger, Spreading The Disease oder Revolution Calling sollte man nicht erwarten. Die Gitarrenarbeit auf I’ll Eat Your Heart Out ist aber so stark, dass sie auch von Chris de Garmo stammen könnte.
Das Zwiegespräch „Kill Mary – She’s A Risk“ gegen Ende, als Reminiszenz an das Original, hätte aber nachfolgend einen Killer wie The Needle Lies gebraucht. Nichtsdestotrotz ist das ein kompaktes, originelles und proggiges Werk abseits des Mainstreams. Chapeau Geoff, das hätte ich nie erwartet. 16 Punkte (von 20) und damit neuestes Topalbum auf unserer Plattform.
Und was gab es noch:
Elegant Weapons – Evolution: Priest Gitarrist Faulkner und Ronnie Romero bringen die nächste Scheibe raus. Und was wird da wohl drauf sein? Melodic Metal natürlich. Eine starke Scheibe, aber mir fehlen die Sahnehäubchen. Probierts mit Shooting Shadows. 14 Punkte.
Hardline – Shout: Schlägt in die gleiche Kerbe wie die Elegant Weapons, allerdings ein bißchen softer. Und softer gibt Punktabzug. Anspieltipp Rise Up. 13 Punkte.
Social Distortion – Born To Kill: Die Heldentaten aus früheren Tagen wie die White Light oder die Neunziger-Scheibe, lassen immer wieder Hoffnung auf ein neues Meisterwerk aufkeimen. Und ich habe auch eine kleine Schwäche für die Band. Gemäßigter Punkrock. Aber insgesamt ist das doch zu wenig. Der Opener wäre mein Anspieltipp. Crazy Dreamer geht mal gar nicht. 13 Punkte.
The Quill – Master Of The Skies: Von Pepper mit einem Chartsong geadelt (Dark City), versucht das neue Album an das Vorgängeralbum Wheel Of Illusion ranzukommen, was aber nicht gelingt. Mächtige Sabbath-Riffs mit etwas Ozzy in der Stimme sind zwar starke Zutaten, aber irgendwie schlafen mir nicht nur bei Son Of Light die Käsfüße ein. Neben dem Opener gefallen noch Dark City oder Light Turns Low. Trotz der Schwächen sind 14 Punkte drin.
Lovebites – Outstanding Power: Nochmals Melodic Metal, aber leider der dritten Art. Wenn ich sowas höre, weiß ich wieder ganz genau, warum ich Frauengesang nicht mag. Aber die Gitarre ist gar nicht so schlecht. Anspieltipps leider Fehlanzeige. 9 Punkte.
Black Lung – Forever Beyond: Psychedelic und Stoner, alles Zutaten, die ich mag. Aber irgendwie will das nicht zünden. Vielleicht am ehesten noch Death & Co., das ich mal nächstens in den Charts platzieren werde. Oder auch Border Hoarder. 12 Punkte.
CROWN LANDS – Apocalypse: Wenn ich böse wäre, würde ich schreiben, dass das nach Zeppelin für Arme klingt. Für meinen Geschmack ist das Songwriting verbesserungsfähig. Pepper hat für die letzten Monatscharts einmal mehr den besten Song ausgesucht. Leider hatte ich mehr erwartet. Starke 15 Punkte trotzdem.
Armored Saint – Emotion Factory Reset: Von Armored Saint ist niemals etwas anderes zu erwarten. Purer Heavy Metal. An die Symbol Of Salvation werden die Jungs zwar nie mehr rankommen, für gute Alben wie jetzt wird es trotzdem reichen. Tipp: Close To The Bone. 14 Punkte.
Echo Verse – Fall Towards The Sky: Nimm Pink Floyd und Dream Theater und rühre rum. Mit etwas Glück kommen dann Kompositionen wie The Serpent & The Schism raus. Leider nicht immer. Im Chorus klingt das tatsächlich nach America (Softrocker). 15 fette Punkte.
Shinedown – Ei8ht: Für die Langweiler unter euch. Für die, die seit 60 Jahren auf eine neue Scheibe von den Beatles warten. Zeitverschwendung. 8 Punkte.
Elder – Through Zero: Irgendwo Progmetal zwischen Dream Theater und Yes. Anspieltipp: Through Zero. Aber mir fehlen die Kanten. 13 Punkte.
Gus G. – Steelburner: Zu Gus G. muss man nicht viel schreiben. Ein begnadeter Gitarrist. In Dancing With Death übernimmt Matt Barlow das Mic (Iced Earth) und der ist immer noch eine Naturgewalt. Und What If sowie Confession sind richtig starke Instrumentals, die ein Tony MacAlpine in seinen glorreichen Zeiten auch nicht besser gemacht hätte. Der Stammsänger Ronnie Romero ist längst auch eine feste Größe im Metal-Firmament. 14 Punkte.
Crimson Roots – Open Roads: Die Wurzeln liegen in den glorreichen Siebzigern. Bluesige Nummern erinnern an Chicken Shack mit Christine Perfect. Gute Laune-Scheibe, die einen nicht überfordert. Massenkompatibel im positiven Sinn. 14 Punkte.
Bismut – Matsutake: Früher, als noch alles besser war. hätte der Meinereiner bei diesem Werk gejubelt vor Freude. Wie auch immer bevorzuge ich heute durchaus Gesang, zumindest als stilbildendes Instrument. Gleichwohl ist das schon klasse, was die Holländer hier abliefern. Dazu kommt eine Superproduktion. Wir haben ein Soundgewitter aus Stoner, Jazzrock und Psychedelic. Ähnlich höre ich das, bei reduzierter Intensität, bei meinen Lieblingsstonern von Colour Haze. Ein Album, in das man aber öfter eintauchen muss. 15 Punkte.
Vorfreude auf All Them Witches! Wohl schon ungehört nächste CD des Monats. 🙂 Rüdiger
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