CD des Monats März 2025: Leaf Hound – Once Bitten
Was für ein Zufall! In den letzten Charts hatte ich den Hit von Leaf Hound, Freelance Fiend, in den Charts platziert. Die Originalscheibe ist von 1971! Wieso ein Ausrufezeichen? Weil jetzt, schlappe 53 Jahre später, als wenn das nix wäre, eine neue Scheibe in Gestalt der Once Bitten angeflogen kommt. Erste Reaktion: Sofort eingeworfen. Und dann die Enttäuschung, weil der Sänger offensichtlich nicht Pete French ist. Gegoogelt, und doch, der Sänger ist der alte Haudegen Pete French. Aber zum Vergleich: Hört mal auf der neuen Scheibe Freelance Fiend und das Original von 1971. Wem nichts auffällt, der hört zum Vergleich die In Hearing Of von Atomic Rooster, die 1973 bei mir hoch und runter gedudelt ist. Für mich ist das eine komplett andere Stimme. Damit will ich nicht schreiben, dass mir die „neue“ Stimme nicht gefällt, sie ist einfach anders.
Mit Atomic Rooster hat das leider nichts zu tun. Aber Leaf Hound waren auch mehr im schnöden Hardrock verwurzelt. Querverweise zu Mountain, Ten Years After, Rory Gallagher, UFO oder auch Chicken Shack treffen nach meiner Meinung zu. Es gibt sogar einen Song, der Poor Boy heißt, aber nichts mit dem Song von Chicken Shack zu tun hat. Trotzdem klasse. Sogar ein Ohrwurm ist mit Yippee Ki Yay dabei, der auch ganz schön abrockt. Der Opener lässt es tüchtig krachen. Ich gebe zu, wenn ich „die früher war alles besser-Brille“ abgezogen hätte, dann hätte wohl die Sacred das Rennen um die CD des Monats gemacht. Aber diese Brille sitzt wie festgegossen auf meiner Nase.
Fette 15 von 20 Punkten.
Und was gab es noch?
Sacred – Fire To Ice: Flüssiger Melodic Metal der Spitzenklasse. Hier stimmt (fast) alles wie Riffs, Soli, Höhenlage des Sängers, Chöre. Und wer es nicht glaubt, der hört sich deren Cover von Queen Of The Reich auf youtube an. Bin das ich, der gerade schreibt, dass das Cover besser ist als das Original von Queensryche? Das ist aber in erster Linie der besseren Produktion geschuldet. Einziger Makel der neuen Scheibe ist das Songwriting. Aber diesen Makel kennt Queensryche, nach dem Weggang von Chris de Garmo, auch. 15 Punkte.
NIGHT FLIGHT ORCHESTRA – Give Us The Moon: Manche Metal-Plattformen sind davon begeistert. Schämt euch! Da muss ich natürlich trotzdem reinhören, obwohl mir die Outputs dieser Band schon in der Vergangenheit missfallen haben. Sorry, das ist weder Metal noch gut. In etwa ist das eine Melange aus Spätsiebziger ELO, (Ver) Saga, Abba und Queen. 4 Punkte.
End Of Green – Twinfinity: Eigentlich kein neues Album, sondern die Infinity im neuen Gewand. Neue Fans wird es damit nicht geben. 12 Punkte.
Butcher Sisters – Das weiße Album: Wer glaubt, dass es nach der Night Flight Orchestra nicht mehr schlimmer werden könnte, wird eines Besseren belehrt. Bei den Metal Hammer Autoren gab es viermal die 1 für Sondermüll und einmal die 7 für Weltklasse. Das musste ich querchecken. Aber es ist tatsächlich Sondermüll. Und daran ändern auch die Metal Sounds nichts. Gigantisch im negativen Sinne sind die Texte, die zum fremdschämen sind. Wer mitreden will, muss sich das mal gegeben haben. 2 Ehrenpunkte fürs Mitmachen. Die 1 bleibt Modern Talking vorbehalten.
TOKYO BLADE – Time Is The Fire: Und noch eine überdurchschnittliche Melodic Metal Scheibe. Aber auch hier wieder Mängel im Songwriting. 14 Punkte.
HELLACOPTERS – Overdriver: Netter Rock/Hardrock, der mich beim Gesang an die Beatles denken lässt. 13 Punkte.
CANTRELL JERRY – I Want Blood: Ex Alice In Chains und jetzt solo unterwegs. Das packt mich nicht wirklich. 12 Punkte.
LETHAL X – 90 Tons Of Thunder: Heavy Metal der durchschnittlichen Art. 12 Punkte.
Bonfire – Higher Ground: Durchschnittlicher Hardrock in bewährter Tradition. Wenn alle Songs wie I Will Rise klingen würden, dann kämen auch mehr Punkte zusammen. So lassen wir das bei 12 Punkten.
Pentagram – Lightning In A Bottle: Meinen Mitstreitern wird das nicht gefallen: Durchschnittlicher Sabbath-Metal. 12 Punkte.
Motorpsycho – 2025: Motorpsycho klingt meist anders als man denkt. Motorpsycho ist das Chamäleon unter den Rockbands. Und die neue Scheibe versucht den Spagat zwischen relativ poppigen Songs und relativ verkropften Songs. Da wird die eine oder die andere Käufergruppe enttäuscht sein. 12 Punkte.
Rock On, Rüdiger
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